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Warum du dir vorgaukelst, dass mit diesem Mann alles anders wird

„Ich merke, dass ich für ein Wiedersehen noch zu viel Kram im Kopf habe“, schrieb er und meinte damit seine vorige Beziehung. Auch ohne diese WhatsApp-Nachricht war mir das bewusst gewesen – leider. „Zeitpunkte. Punkt“, meine Antwort. „Ja, so ist es“, endete er die Konversation. Endete er die Affäre. Eine Liebschaft, von der ich dachte sie würde ein Leben andauern. Das war vor 30 Monaten.

Wenn die Illusion von einer Beziehung Besitz über dich ergreift

So wahr wie diese Zeilen sind, so verletzt bin ich noch heute. Eineinhalb Jahre konnte ich von der Illusion nicht loslassen. Damals erschien er mir als Erlöser-Figur. Er, die Synthese: Alles, was ich mir jemals in einem Menschen, einem Mann und Partner erträumte. Freunden sagte ich, mit diesem Mann könnte ich sogar monogam sein. Kinder kriegen. Und dass es vielleicht doch den Einen gibt. Oder eben auch nicht.

Benennen wir das Problem: Männer, 36+, Single, Berliner. Die Beziehungsfähigkeit der Nicht-Berliner konnte ich leider noch nicht empirisch erheben, deshalb beschränke ich mich auf das heimische Revier.

Wir lernten uns auf einer Sexdating-Seite kennen. Um akkurat zu sein, er (37) schrieb mich an: “Ich stelle mir gerade vor, wie Du im Pailletten besetzten Tutu mit einem riesigen Presslufthammer ausgestattet das Weltbild durchschnittlich intellektuell begabter Männer zertrümmerst.” Recht schnell griffen wir zum Telefon, redeten über Jazz, Kunst und “House of Cards”. Er erzählte mir von Fahrten an die Côte d’Azur, ein Cabrio zu mieten und viel zu viel frisch gefangenen Fisch zu essen – mit mir.

Letztlich hatten wir genau zwei Dates in mehreren Wochen. Das Erste, das ich vereitelte wegen eines Notaufnahme-Dramas, nicht eingeschlossen. Er (37) ließ mich an seiner Lebensweise teilhaben, ich entdeckte die Schuhe seiner Exfreundin im Flur. Es war nicht der richtige Zeitpunkt – Punkt. Ich hatte jedoch alles gegeben.

Bis ich merkte, dass ich das Muster der Männer bin

Er war nicht der Erste, der mich bezirzte und dann abblitzen ließ, da seine vorige Beziehung noch zu nah war. Ab einem gewissen Punkt wurde ich zum Muster der Männer: Direkt nach dem Ende, lernte Er eine Frau kennen, verliebte, verlobte sich (heiratete auch manchmal). Auf jeden Fall gab es ein Beziehungs-Commitment samt Kind. Ich hingegen war wieder alleine. Denn ich war das Muster.

Bis zu ihm (37) hatte ich noch mitgespielt, vergessen, getrunken und weiter gefickt. Doch dieses Mal saß es zu tief. Mit dieser Wunde konnte, wollte ich nicht daten. Kein casual Ficken ohne Commitment und auch kein Commitment mehr. Über Wochen, Monate, über ein Jahr. Denn bei ihm (37) hatte ich gedacht, es könnte alles anders werden.

Zwar gab es doch gelegentliche Dating-Desaster und gute Ficks, wenn die Hormone während des Eisprungs zu heftig revoltierten, aber eigentlich wollte ich nur noch in den Arm genommen werden. Festgehalten und geliebt werden. Ohne fürchten zu müssen, dass das erste Treffen auch das Letzte ist.

Niemand verdient es ein Lückenbüßer zu sein

Auch in meiner letzten, gerade beendeten Beziehung, beschlich mich die Angst nur ein Lückenbüßer zu sein. Dass er (40) für wahres Commitment zu alt, zu sehr in seiner Komfortzone feststeckte. Wenn Bekannte den 13-jährigen Altersunterschied zu ihm anmerkten und wenn andere auf Geburtstagen ihre Kinder mitbrachten. Es gab viele Wenns, sie überwogen aber lange Zeit die Trotzdems. Bis es nicht mehr ging. Bis das Thema “bis ans Lebensende” und Kinder vom Tisch schienen und er mich wegen meiner Illusion dessen auslachte. Dabei hatten wir zu Anfang beide daran geglaubt. Ich glaubte weiter. Übersah weitere seelische Verletzungen.

Denn ich wollte mich nicht als Lückenbüßer sehen, ich wollte, dass dieses eine Mal alles anders werden würde. Doch es kam nicht anders.

Um so sensibler bin ich geworden, wenn Freunde Betthäschen anschleppen, die sich mehr erhoffen. Und Freundinnen einen Freund haben, der die Beziehung nicht anerkennt. Es tut mir weh, denn ich war dort. Zu oft. Zu viele Jahre. Niemand sollte sich selbst so klein machen.

Denn diese Beziehung, dieser Mann, wird sich nicht ändern. Menschen können sich nur aus sich heraus ändern.

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Published in Berlin Beziehung Dating Kolumne

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