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Du glaubst es die wahre Liebe? Warum Festhalten der größte Fehler ist

Letztens blieb ich an dem Facebook-Post einer Kollegin hängen: „Was macht man, wenn man die Liebe seines Lebens gefunden hat? Festhalten.“ Mein Körper verkrampfte sich. Es war schwer nicht mit dem Kommentar „Nein! Falsch!” zu reagieren.

Liebe kann nicht konserviert werden. Liebe ist Bewegung, genau wie Leben. Dort gibt es keinen Stillstand.

Liebe als Ersatzreligion

Die Idee Liebe festhalten zu können ist Sinnbild der monogamen Liebe. Ein Mythos, kulturell eingeimpft und seit der Bewegung zu Bürgerlichkeit in unserer Gesellschaft tradiert. 

Liebe ist die neue Ersatzreligion, wie die „FAZ“ so treffend titelte. Es ist der Glaube an den Einen, den Wahren, den Seelenverwandten. Das Postulat einer absoluten, romantischen Liebe. Es ist die Religion von Personen, die auf Hochzeitseinladungen schreiben: “Zwei Menschen, ein Gedanke” und in diesem Sinne “Ja” sagen. Eine Liebe, die verheißt, du wirst nur glücklich durch Zwei(!)samkeit.

Für den Mainstream ist die Suche nach Mr. Right zur Ersatzreligion verkommen: Partnersuche als Lebenssinn. Ohne ihn sind wir nicht ganz, verheißt diese Liebe. Nur ein Partner könne dich komplettieren zum Uns, zum Wir, zum Happyend. Wie in jedem Disney-Film endet dort die Illusion.

Beziehungen können nicht konserviert werden

Doch das Leben ist kein Film mit Julia Roberts, es gibt kein Happyend. Das Drehbuch wurde nicht in Hollywood verfasst. Vielleicht bin ich lediglich ein gebranntes Scheidungskind und eines, das zu früh zur Waisen wurde. Doch eines weiß ich: Festhalten geht nur in eine Richtung, nämlich rückwärts. Erinnerungen und Besitz können konserviert werden, aber keine Menschen.

Stillstand ist risikoarm

Der Glaube an diese eine, wahre Liebe, ist eine Sackgasse. Aber auch eine große Verheißung von Sicherheit. Stillstand ist risikoarm. Damit will ich nicht den inneren Traum nach Beständigkeit verteufeln, sondern ihn vielmehr aus der Traumsphäre ans Tageslicht zerren.

Wie viele Menschen haben wir schon geliebt? Jedes Mal auf eine andere Weise. Bei manchen dachten wir vielleicht auch diese Person könnte die Eine, der Eine sein. Auch ich sagte bis vor kurzem noch, dass ich den Mann meines Lebens getroffen habe. So kitschig, das auch klingen mag. Dennoch war es nur eine momentane Bestandsaufnahme. Eine Erkenntnis des Augenblicks. Es kann sich ändern und tat es auch. Leider. Doch die Richtung konnte mir weder ein Glückskeks vorher, noch die Kompatibilität unser Sternzeichen weißsagen.

Ja, das ist beängstigend. Es wäre allerdings noch beängstigender, würden wir weiter mit Plateauschuhen und bauchfrei wie in den 1990ern umherlaufen. (Obwohl, ist das nicht schon wieder Trend..?)

Scheitern gehört zum Leben

Der Wunsch festzuhalten baut um die Liebe das vergoldete Gitter einer Zelle. Je enger die Stäbe stehen, um so weniger Sauerstoff dringt hindurch. Atmen, sich bewegen können, sind lebensnotwendig. Dazu es gehört auch in verschiedene Richtungen zu gehen. Das kann schmerzen, aber es ist Leben. Das Leben. Unser Leben. Kein Drehbuch. Außerhalb des Skriptes zu tanzen ist ohne Sicherheitsnetz. Fallen und Scheitern gehört dazu, genau wie Aufstehen und Weitergehen. Wir können uns an den Händen halten und für einen Moment verweilen. Doch das war es. Denn niemand kann „I will always love you“ singen außer Whitney Houston.

Published in Beziehung Dating Kolumne

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