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“Sex and the City” ist schuld, dass wir in unserem Ex “Mr. Big” sehen

Carrie winkt nachts vergebens nach einem Taxi. Neben ihr hält eine Limousine. “Mr. Big” steckt seinen Kopf aus dem Fenster: “Need a ride?” Auf die Frage, ob er jemals verliebt war, sagt “Mr. Big”: “Abso-fucking-lutely.” Carrie steigt aus und geht lächelnd die Stufen zu ihrer Wohnung empor. (Staffel 1, Folge 1)

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“Sex and the City” ist die Droge von frisch Getrennten und hoffnungslos Verliebten. Für manche scheint es, dass wenn mit Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha sechs Staffeln mit gelitten wird, auch unser Liebeskummer enden muss.

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HBO hat uns gelehrt, dass jeder Liebe haben kann, dass jeder sie verdient – und bis dahin haben wir unsere Freunde. Eine gute Botschaft, wäre da nicht die tückische Hollywood-Storyline: Wenn es wahre Liebe ist, dann kommt der Ex zurück. Immer.

Doch funktioniert die Liebe im Leben wirklich nach dem Schema “Mr. Big”?

Tief in meiner letzten Trennung rudernd, sah ich nicht das nahe Ufer, sondern blickte nur zurück zum Beziehungswrack, das einst glänzte. In Ratgebern steht, dass nach der Trauer- und Wutphase der Moment kommt, an dem du zurück willst, an dem du alles in deiner Macht stehende tun wirst, um eine Versöhnung herbei zu rufen.

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Auch wir “blieben Freunde”, telefonierten und nachts träumte ich von seiner Umarmung. Diesem sicheren Ort, an dem die Welt stillsteht und nur wir existieren – fern von jedem Übel. Bei jedem Schritt im Neuanfang wog ich ab, ob es einer Versöhnung schaden könnte. Er sagte, er wolle sich ändern, endlich seine Probleme angehen. Auch mein “Mr. Big” war älter und in seinen Routinen verankert, ließ kaum jemanden hinein. Ich dachte, wir hätten eine Chance, jetzt, wo er an sich arbeitete. Dafür stellte ich mein neues Leben auf das Abstellgleis und vergaß die seelischen Verletzungen. Insgeheim pochte mein Herz die Melodie der wahren Liebe zu “Abso-fucking-lutely”.

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Es ist “Mr. Big”, den Carrie in Folge eins trifft und es ist “Mr. Big”, der Carrie aus der gescheiterten Paris-Liaison heim nach New York City bringt. “Sex and the City” ist um die masochistische Liebe von der im Leben staksenden Carrie Bradshaw zu dem unnahbaren Business-Playboy John gestrickt. Doch, dass Carrie am Ende der sechs Staffeln von ihm hört: “You’re the One”, war nicht beabsichtigt. Im Gegenteil!

„Sex and the City“ hat das FALSCHE Happy End

Eine Serie entsteht durch Produzenten und Schreiber, die sie konzipieren. Jede der angerissenen Kolumnen unserer liebsten Sex-Schreiberin ist fiktiv. Wer das Originalmaterial von Candace Bushnell kennt, weiß, wie viel Storytelling und Talent der Drehbuchschreiber die Serie zu einem Hit machte. Da nicht nur sie, sondern auch ein Cast, die HBO-Masterminds dahinter und zuletzt die Zuschauer befriedigt werden mussten, entstanden mehrere Enden. Bis zur Ausstrahlung wusste “offiziell” niemand, welches Happy End es sein würde.

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Warum Carrie Bradshaw nicht „Mr. Big“ heiraten sollte

Anfang des Jahres packte “SATC”-Schöpfer Darren Star aus: Carrie sollte weder an der Seite des Egomanen “Mr. Big” enden, noch sollte sie in den Armen des narzisstischen Künstler Aleksandr Petrovsky bleiben. “I think the show ultimately betrayed what it was about, which was that women don’t ultimately find happiness from marriage.” Carrie sollte sie selbst sein, selbstbestimmt leben, frei von Männern. Doch dann übernahm das Erfolgs-Script der Romantic Comedies das Zepter.

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Obwohl die Show eigentlich vier unabhängige, berufstätige Frauen zeigen wollte, die ihr Liebes- und Sexleben kontrollieren, scheint jede von ihnen am Ende der Serie von einem Mann und den Konventionen gerettet zu werden. Charlotte durch erneute Heirat und Kind, Miranda ordnete die Karriere der Familie unter, Carrie wurde nach der Pariser Ohrfeige von “Mr. Big” sprichwörtlich vom Hotelboden aufgelesen und selbst die taffe Samantha wurde noch größer durch den Hollywood-Star, den sie erschuf.  

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Mit dem “Happy End” mit “Mr. Big”  hat Hollywood nicht nur seine Kassen klingeln lassen, sondern vor eines: Den Mythos der “wahren Liebe ™” gestärkt und millionen Frauen wie Männern eingeimpft, dass der geliebte Menschen zurück kommt – irgendwann.

Er kann, aber in den seltensten Fällen tritt nach einer Trennung genau das ein. Die Zeiten der weißen Ritter sind vorbei. Dennoch konsumieren wir bei Liebeskummer unsere New Yorker Freunde und hoffen insgeheim, dass er zurück kommt. Denn es funktionierte bei Carrie und ihrem Big, bei Miranda und Steve und auch bei Charlotte und Harry. Doch diese Illusionen bringen uns nicht voran, sie betäuben nur kurz Schmerzen und lassen uns im Vakuum der Selbstzweifel und “Was wäre wenn”-Fragen stagnieren.

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Eine Hoffnung, die in das kollektive Gedächtnis einer Generation eingedrungen ist. Doch damit geht auch eine feine, unemanzipatorische Nuance einher: Frauen wollen gerettet werden.

Unser Leben ist nicht „Sex and the City“ – leider

So oft ich an mein Happy End dachte und insgeheim davon ausging wir würden wieder zusammen finden, so oft wurde mir klar, dass es ein Rückschritt wäre von dem unabhängigen Post-Trennungs-Ich. Man kann sich schließlich nicht von demjenigen trösten lassen, der die Verletzungen hervorrief. Auch, wenn ich heute noch daran denke, dass er womöglich eine Versöhnung wollte und vielleicht endlich begriffen hätte, dass ich die Eine bin, wie er einst sagte; so glücklich bin ich dennoch, dass ich das Freundschaftsband brutal zerschnitt. Indem ich ihn verletzte, befreite ich mich von ihm und dem, was er getan hatte. Denn weder ist er “Mr. Big” noch bin ich Carrie.

„SATC“ und der Unterschied zum wahren Leben

Im wahren Leben müssen wir nach einer Trennung trauern und wieder aufstehen. Denn unser Leben ist keine Hollywood-Serie. Wir haben das Glück nach vorne blicken zu können und aus Vergangenem zu lernen. Mit der Zukunft kommen neue Menschen in unser Leben. Menschen, an denen wir unseres gewachsenes Ich erneut testen können.

Bis dahin sollten wir vor allem eines: Uns niemals vergessen. Denn retten können wir uns nur “abso-fucking-lutely” selbst.

Bildquellen

  • carrie-bradshaw-relationships-leandra-medine-man-repeller: HBO

Published in Berlin Beziehung Dating Kolumne Single

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